Nahrungsergänzungsmittel

ANDREAS.R UPDATE 10.01.18

Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmittel

Die Selbstmedikation mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) wird von Jahr zu Jahr beliebter. Diesen steigenden Trend belegt eine Studie des Robert-Koch-Instituts.

In einem Interview spricht die Autorin Dr. Hildtraud Knopf u.a.

„so weist in Deutschland die Selbstmedikation mit Vitamin-, Mineralstoff-Präparaten und NEM eine hohe Prävalenz auf, die im zeitlichen Verlauf signifikant zugenommen hat“.

Als Grundlage der Erhebung dienten die Ergebnisse bundesweiter Gesundheitssurveys (BGS98: 1997–1999 und DEGS1: 2008–2011), in denen Erwachsene im Alter von 18 bis 79 Jahren zu gesundheitsrelevanten Themen befragt wurden. Die Anwendung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wurde in standardisierten Interviews erfasst. Ausgewertet wurden Daten von 7099 (BGS98) und 7091 Personen (DEGS1). Danach hätten im DEGS1 rund 18 Prozent aller Teilnehmer Vitamine, Mineralstoffe und NEM in Selbstmedikation angewendet, berichtet Knopf. Frauen, ältere Menschen, Personen mit einem höheren Sozialstatus, Alleinlebende, Ex- bzw. Nichtraucher und sportlich Aktivere hätten signifikant höhere Prävalenz-Werte aufgewiesen. Im Vergleich zum BGS98 habe sich die Prävalenz im DEGS1 um fast sechs Prozentpunkte erhöht.

Ein rasant wachsender Markt

Quelle: Statistia

„Der Verkauf und Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln ist weltweit zu einem Gigantischem Markt angewachsen. Die Profiteure, ganz klar die Industrie. 2010 betrug der Umsatz mit Vitaminen 20,3 Milliarden und Mineralstoffe 3,6 Milliarden US Dollar – 2015 Vitamine: 25,3 Milliarden und Mineralstoffe 4,5 Milliarden. Und so setzt diese auf das richtige Pferd, denn mehr und mehr Menschen greifen aus gesundheitlichen oder ästhetischen Gründen zu Nahrungsergänzungsmitteln, besonders zunehmend auch Sportler.

Im Breitensport nehmen schätzungsweise 50–85 % und im Leistungssport 35–100 % der Befragten Nahrungsergänzungsmitteln ein, vor allem Letztere greifen deutlich regelmäßiger darauf zurück“, berichtet auch ein Autorenteam um Professorin Maria Kristina Parr von der Freien Universität Berlin. Breitensportlern kann meist nicht zu einer Einnahme aus sportlichen Gründen geraten werden. Hier sollte einzig ein pathologischer Mangel eine Indikation zur Einnahme darstellen. Während die Supplementierung von bestimmten Makronährstoffen (Proteine und Fetten) unter Profisportlern sinnvoll sein kann, zeigt sich für viele Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe) und angeblich leistungssteigernde NEM, dass sie nur einen minimalen Effekt und diesen auch nur in bestimmten Situationen und Sportarten aufweisen.

Häufig fehlt ein eindeutiger Wirkungsnachweis jedoch völlig. Unter bestimmten Umständen können NEM sogar kontraproduktiv, Gefährlich und leistungsmindernd sein. Eine Einnahme von NEM sollte daher immer und in jedem Einzelfall kritisch hinterfragt und mit fachkundigen Personen abgesprochen sein. NEM sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und hartes Training.

Ein weiteres Beispiel für Nahrungsergänzungsmitteln, sind Mittel gegen klimakterische Beschwerden. Bekannte bespiele sind Yamswurzel-, Traubensilberkerzen– und, RhabarberExtrakte, Mönchspfeffer sowie Spinat-Extrakte.

Aktueller Beliebtheit erfreuen sich auch seit einigen Jahren sog. „Nutricosmetics“, mit denen Haut , Haare, Fingernägel jung bleiben und erscheinen sollen. Zahlreiche Studien, u.a. von Dermatronnier GmbH & Co. KG, Institut für Experimentelle Dermatologie an der Universität Witten/Herdecke (Akt Dermatol 2017; 43(10): 427-430 DOI: 10.1055/s-0043-112476) zeigten, dass „Nutricosmetics“ zur Verbesserung einzelner Hautparameter wie Oberflächenstruktur, Hautdichte und -Elastizität führten. Weiterhin wurden Hydratation und Barrierefunktion der Haut positiv beeinflusst. Anti-Aging-Konzepte wurden bestätigt. Natürliche Carotinoide, häufig in Kombination mit Vitaminen und Mineralstoffen, führten zu einer Steigerung der Wirksamkeit, hier spielen synergistische Effekte offenbar eine Rolle. Auch andere Wirkstoffe wie Polyphenole, aus Kakao oder grünem Tee gewonnen, hatten positive Wirkungen auf die Hautparameter bei täglicher Einnahme als Drink. In den hier gezeigten Untersuchungen konnten nach 12-wöchiger Einnahme nachhaltige Wirkungen von „Nutricosmetics“ nachgewiesen werden. Somit kann eine, zumindest temporäre, Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln zur Erhöhung des körpereigenen Lichtschutzes oder zur Verbesserung der Hautqualitäten empfohlen werden.

Mangel an überzeugenden Wirksamkeitsbelegen

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Ihr Argument sei, In vielerlei Hinsicht sei der gesundheitliche Nutzen in kaum einem Fall wirklich belegt. So auch die unterschiedlichen Nahrungsergänzungsmittel gegen klimakterische Beschwerden. So der Professor Patrick Diel von der Deutschen Sporthochschule Köln. hier sei die Wirksamkeit bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden. Und bei einigen Inhaltsstoffen der Präparate bzw. Extrakte, z. B. Isoflavone, gebe es sogar nach wie vor Sicherheits-Bedenken. Und: Durch die freie Verfügbarkeit und unkontrollierbare Einnahme wenden betroffene Frauen derartige Präparate oftmals kombiniert und in Konzentrationen an, welche die von den Herstellern empfohlenen Aufnahmemengen um ein Vielfaches überschreiten.“

Dennoch wird die Wirksamkeit von Sekundären Pflanzenstoffen keineswegs angezweifelt. Die Autoren versuchen lediglich hier auf die Wechselwirkung mit Medikamenten hinzuweisen. Auch die besorgniserregende Überdosierung von Mitteln.

Warnungen vor gesundheitsschädlichen Mitteln

ACHTUNG vor Mitteln die Menschen Hoffnung geben, mühelos schlank und rank zu werden. Einige dieser „Schlankheitsmittel“ versprechen oft wahre Wunder, helfen aber nur den Geschäftemachern und Scharlatane die diese vertrieben.

Es gab schon Todesfälle

Pressebild „Eingangsschild Dienstsitz Mauerstraße, Berlin (BVL)

Darauf weist unter anderen das BVL – Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hin. Besonders riskant sei es, auf im Internet angebotene Mittel zur Gewichtsabnahme zu setzen. Denn einige Geschäftemacher versuchen laut dem Bundesamt, ihre Schlankheitsmittel wirksam zu machen, indem sie ihnen illegale Substanzen zusetzen. Sie kommen als „Slimming Tea“ oder „Weight loss coffee“ auf den Markt. Diese Produkte werden hauptsächlich im Internet vertrieben und häufig als „100 % natürliche“ oder „rein pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel angeboten. In der Tat enthalten sie jedoch nicht deklarierte pharmakologisch wirkende Stoffe in hohen Dosierungen. Nach Einnahme solcher Mittel sei es schon zu Todesfällen gekommen. Dazu schreibt das BVL auf seiner Internetseite. Original-quelle -> BVL

Synthetischer Wirkstoff – Sibutramin

Sibutramin, das als Appetitzügler zur Reduktion von starkem Übergewicht in Arzneimitteln verwendet worden war, wurde 2010 aufgrund seiner massiven Nebenwirkungen als Arzneimittelwirkstoff in der EU verboten. Dennoch wurden immer wieder Lebensmittel gefunden, die Sibutramin enthielten. Die Sibutramingehalte lagen dabei teilweise weit über den therapeutisch eingesetzten Dosierungen. Es kam sogar zu Todesfällen. Bei den Produkten handelte es sich um als Nahrungsergänzungsmittel vertriebene Erzeugnisse oder Aufgussgetränke, die als „Slimming Tea“ oder „Weight loss coffee“ angeboten wurden.

Industriechemikalie – 2,4-Dinitrophenol

In Produkten aus dem Internet finden sich oftmals auch chemisch-synthetische illegale Beimischungen, wie 2,4-Dinitrophenol (DNP). Dabei handelt es sich um eine Industriechemikalie, die bei der Synthese von Farbstoffen, Holzschutzmitteln, Insektiziden und Sprengstoffen verwendet wird. Wenn DNP in geringer Dosis über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, kann es zu Schädigungen von Leber, Niere, Blutbildung, Herz-Kreislauf- und Nervensystem kommen. In verschiedenen Ländern gab es in den vergangenen Jahren mehrere Todesfälle, die auf den Konsum von Produkten mit unerlaubt zugesetztem DNP zurückzuführen waren.

Synephrin und Koffein – riskante Kombination

Einige als „rein pflanzlich“ deklarierte Nahrungsergänzungsmittel enthalten bedenkliche natürliche Wirkstoffe wie Synephrin, das den Energieverbrauch erhöhen, die Nahrungsaufnahme reduzieren und die Magentätigkeit steigern soll. Synephrin kommt in geringen Mengen in vielen Zitrusfrüchten vor. In Schlankheitsmitteln wird Synephrin meist in hohen Mengen in Kombination mit Koffein angeboten. Das Synephrin wird dabei meist hinter der Bezeichnung Bitterorangenextrakt versteckt, das Koffein hinter der Bezeichnung pflanzlicher Extrakte wie Guarana, Kaffee oder Grüntee-Extrakt. Synephrin und Koffein wirken beide auf das Herz-Kreislauf-System. Die Einnahme solcher Kombinationspräparate kann gefährliche Folgen haben, die von Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzrasen bis zu Kammerflimmern und Herzinfarkten reichen. Ergänzung vielleicht, aber niemals Ersatz für eine gesunde Kost

 

 


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Zum Thema

  • https://link.springer.com/article/10.1007/s00003-017-1140-y/fulltext.html#Fn1

 


Quellen

 

 

 

 

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