Gegenüberstellung-Zucker-Adipositas – Teil I.

Autor: Andy, 08.12.2017

Während meiner Recherchen zu den Aktuell sehr heiß debattiertem Themen Zucker und Kohlehydrate, stieß ich öfters auf den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. kurz (BLL) genannt, doch wer ist das oder die? Per Definition ist, Zitat: „Der BLL ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören u.a. ca. 500 Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette – Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Tabak und angrenzende Gebiete (Verlage, Anwälte, Laboranten, Medizinische Einrichtungen – sowie zahlreiche Einzelmitglieder an“(1)(4)

Kommen wir zu den Mitgliedschaften des BLL, Zitat: […] Die Mitgliedschaft hat sich weit über die Gründungsbereiche Industrie, Handel, Handwerk ausgedehnt. Sie umfasst heute die gesamte Lebensmittelkette, beginnend mit dem Futtermittelbereich über die Landwirtschaft, die industrielle und handwerkliche Verarbeitung, den Handel bis hin zur Gastronomie. Mit eingeschlossen sind alle relevanten Zulieferbereiche wie Verpackungsindustrie, Chemische Industrie sowie auch die Tabakindustrie (bis zum Jahre 2005 waren Tabakerzeugnisse im Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz geregelt). Seit 1968 sind auch ausländische Unternehmen zugelassen. Und schließlich bilden Einzel- und korporative Mitglieder, wie Anwälte, Laboratorien oder Verlage, eine wichtige Säule der Mitgliedschaft [….] (Fett markiert, hervorgehoben durch den Autor)

Präsidenten des BLL seit 1955 (2)(3)(4)

  • 1955 – 1979 – Dr. Walter Kraak, Dr. August Oetker GmbH (Ehrenpräsident)
  • 1979 – 1984 – Rudolf Auf dem Hövel, Deutsches Tiefkühlinstitut e. V. (Ehrenmitglied)
  • 1984 – 1998 – Dr. Karl Schneider, Südzucker AG (Ehrenpräsident)
  • 1998 – 2001 – Dr. Manfred Nekola, Nestlé Deutschland AG
  • 2001 – 2010 – Dr. Theo Spettmann, Südzucker AG
  • 2010 – 2014 – Dr. Werner Wolf, Bitburger Braugruppe
  • 2014 – Dato – Stephan Niessner, Ferrero Deutschland GmbH

Hauptgeschäftsführer des BLL

  • 1955 – 1976 – Günther Klein
  • 1977 – 1982 – Dr. Gerhard Hein
  • 1983 – 2012 – Prof. Dr. Matthias Horst – 01.01.2013 schloss sich Prof. Dr. M. Horst an die Sozietät Zenk Rechtsanwälte an.
  • 2012 – Dato – Christoph Minhoff

Im Oktober 1955 beschloss das BLL-Kuratorium die Berufung eines Wissenschaftlichen Beirates. Er soll sich „aus bekannten und anerkannten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Lebensmittelkunde und des Lebensmittelrechts“ zusammensetzen. Ein weiterer Meilenstein kam am 23. Juni 1977 i.F.v. einer Berufung eines Rechtsausschuss mit der Zielsetzung, der Befassung von grundsätzlichen Rechtsfragen. 14. November 1990 Berufung einer „neuen Sektion: Lebensmittelrecht“ des Wissenschaftlichen Beirates. Hochrangige Wissenschaftler aus dem öffentlichen Recht, dem Zivil- und Strafrecht sowie dem Europarecht befassen sich seitdem her insbesondere mit der verfassungsrechtlichen und europarechtlichen Einbettung des Lebensmittelrechts und veröffentlichen dazu von Zeit zu Zeit je nach Anlass Grundsatzpositionen.

Von seiner Gründung bis zum Jahre 2010 war Sitz des BLL in Bonn. Im August 2010 erfolgte dan der Komplettumzug nach Berlin. (ebenso wie der Umzug des Deutschen Bundestages nach Berlin) Bereits vorher, im Jahre 1999, hatte der BLL in Brüssel ein Büro eröffnet, das die Begleitung der europäischen Themen (insbesondere die Interessen der Lebensmittelindustrie) „vor Ort“ und den Kontakt sowie Einfluss zum Europäischen Parlament, der Kommission und dem Rat gewährleistet.


Quellen:

Das nun als kurze Einleitung und geschichtliche Hintergrundinformation zu dem BLL. Ab hier wende ich mich nun dem ersten und dem zweiten Kapitel der Gegenüberstellung von Wirtschaftlichen Interessen, vertreten durch den BLL und die der des Volkes, vertreten durch die deutsche Bundesregierung, zu. Beginnend mit dem BLL. Ich werde versuchen auf die eine oder andere Studie einzugehen, jedoch nicht gleich aber nach und nach. So werde ich Aktualisierungen jeglicher Art durch (NACHTRAG), (DATUM) kennzeichnen. Quellen werden selbstverständlich alle angegeben. Die Aktualität aller Quellen – deren Links – lässt sich leider nicht immer gewährleisten, daher bitte ich um Rücksicht. Bei fragen, Mail an: info@nemesisblog.de


Kapitel 1.

1.1. Die wichtigsten Fakten über Zucker seitens des BLL. Die Autoren schreiben: Kohlehydrate, insbesondere Zucker sind lebensnotwendige Energielieferanten die dem Körper und dem Stoffwechsel als unerlässliche Energiequelle dienen. Per Definition ist Zucker ein Kohlehydrat. Je nach Anzahl der Chemischen Komponenten werden dabei Monosaccharide, wie z.b. Glucose & Fruktose sowie Disaccharide wie z.b. Saccharose = Kristal,-oder -Haushaltszucker genannt, unterschieden. Zucker ist in Form von Kohlehydraten ein wesentlicher Bestandteil der Menschlichen Ernährung sowie ein lebensnotwendiger Energielieferant. Allein das Menschliche Gehirn benötigt pro Tag ca. 120 g Glucose. (1)

1.2. Es gibt keinen Wissenschaftlichen beweis dafür das Zucker für Diabetes sowie Übergewicht verantwortlich ist. Vielmehr ist Übergewicht als multikausaler und insbesondere die Folge eines Ungleichgewichtes zwischen aufgenommene sowie verbrauchter Energie zu betrachten, weiterhin schreiben die Autoren: Übergewicht ist auch auf einem erheblichen Bewegungsmangel zurückzuführen. Die Einzelnen Fokussierung auf bestimmte Lebensmittel als Ursache, wie z.B. Zucker zu betrachten, ist daher nicht Zielführend.

1.2. Ein weiterer und nicht unwesentlicher Faktor ist Karies, laut Autoren des BLL: ist es in der Häufigkeit aller fermentierbaren Kohlehydrate – wie sie auch in Brot, Müsli oder Obst zu finden sind – entscheidend hierbei ist die nicht nur aufgenommen Menge an diesen Kohlehydraten. Eine gute Mundhygiene mit regelmäßiger Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta hilft, die Kariesentstehung zu verhindern.

2.3. Regulatorische Maßnahmen wie Steuern und Werbeverbote sind keine geeigneten Maßnahmen, um das Komplexe Übergewichtsproblem zu lösen. Die Bekämpfung von Übergewicht und nicht übertragbaren Krankheiten – (Koronare, sowie Gefäßkrankheiten, Diabetes, Fett-, bzw. -Leberinsuffizienz, Thrombosen, Krebs, usw..) – ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Lebensmittelwirtschaft nimmt ihre Verantwortung sehr, sehr ernst und engagiert sich schon seit langem z.B. im Bereich der Verbraucher Aufklärung und deren Bildung. Welche Empfehlungen zur Zuckeraufnahme gibt es und wieviel Zucker nehmen wir zu uns?


Kapitel 2.

2.1. Laut DGE sollen 50 Prozent der täglichen Nahrungsenergie durch Kohlehydrate gedeckt werden. Zucker soll hierbei nur in Maßen aufgenommen werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz (EFSA) kommt in Ihrem wissenschaftlichen Gutachten zu Kohlehydraten zu dem Schluss, dass die Datenlage nicht ausreichend sein, um einen Referenzwert für die Zugesetzte Menge an Zucker festzulegen. Die WHO empfiehlt in Ihren aktuellen Leitlinie die zufuhr menge von freiem Zucker weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr betragen sollte. (2)(3)(4)

2.2. Laut Ernährungsbericht 2012 beträgt die Aufnahme von Mono- und Disacchariden bei Männern insgesamt 19,3 Prozent (=109 g/Tag) und bei Frauen 24 Prozent (=101 g/Tag) der täglichen Gesamtenergiezufuhr. Betrachtet man nur die Saccharose, so beträgt die Aufnahmemenge bei Männern 9,7 Prozent (= 55 g/Tag) und bei Frauen 11,6 Prozent (= 49 g/Tag) der täglichen Energiezufuhr. Die Daten basieren auf der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II), die vom Max-Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchgeführt wurde. (5)

2.3. Ist Zucker für Übergewicht verantwortlich? So schreiben die Autoren, Zitat: Die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas ist multikausal bedingt. Übergewicht entsteht, wenn die Kalorienaufnahme längerfristig höher ist, als der Energieverbrauch. Jede über den Bedarf liegende Energieaufnahme, ob durch Zucker oder andere Nährstoffe, kann daher ein Faktor für die Entstehung von Übergewicht sein. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass der Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel ursächlich für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich ist:

  • So weist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen ihres Gutachtens zu Referenzwerten für die Aufnahme von Kohlenhydraten und Ballaststoffen darauf hin, dass in epidemiologischen Studien kein Zusammenhang zwischen dem (Gesamt-) Zuckerverzehr und Adipositas hergestellt werden konnte.(6)
  • Die Ergebnisse der DONALD-Studie (7) des Forschungsinstituts für Kinderernährung zeigen bei zwei- bis siebenjährigen Kindern keine Korrelation zwischen dem Konsum von zugesetztem Zucker und Übergewicht sowie dem Körperfettgehalt.(8)
  • Weitere Studien zum Ernährungsverhalten von Kindern in Deutschland zeigen, dass sich weder das Ernährungsmuster noch der Verzehr einzelner Lebensmittel maßgeblich auf den Ernährungszustand auswirken. Zwischen der Lebensmittelauswahl von übergewichtigen und normalgewichtigen Kindern sind kaum Unterschiede zu erkennen (9)(10)(11)

2.4. Im Rahmen der Debatte über mögliche Ursachen für die Entstehung von Übergewicht wird in letzter Zeit auch die Rolle von Fruktose diskutiert. Ein Zusammenhang zwischen der Fruktosezufuhr, wie sie über eine normale Kost erfolgt, und Übergewicht ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Zu dieser Feststellung gelangten sowohl Professor Dr. Hans Hauner (12) mit seiner umfassenden Bewertung des aktuellen Forschungsstands als auch Professor J.L. Sievenpiper (13) mit seiner Meta-Analyse aus dem Jahr 2012 von 41 Interventionsstudien mit Fruktose


Quellen, Literatur, Anmerkungen und weiterführende Links

  • 1 Biesalski H. K., Grimm P.: Taschenatlas der Ernährung. 5. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2011, S. 26 (Gehirn benötigt 120g Glucose pro Tag)
  • 2 EFSA: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre, EFSA 2010; 8(3): 1462
  • 3 Unter “freiem Zucker” werden dabei Monosaccharide (wie Glucose und Fructose) und Disaccharide (wie Saccharose oder Haushaltszucker) verstanden, die Lebensmitteln vom Hersteller, Koch oder Konsumenten zugesetzt werden, sowie von Natur aus in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthaltene Zucker.
  • 4 Guideline: Sugars intake for adults and children. Geneva: World Health Organization; 2015
  • 5 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE): 12. Ernährungsbericht 2012, Bonn 2012
  • Fragen und Antworten zu Zucker – Bund für Lebenmittelrecht und Lebenmittelkunde e.V.
  • 6 European Food Safety Authority: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre. The EFSA Journal 2010; 8(3):1462
  • 7 DONALD: Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed(-Studie)
  • 8 Buyken A. E. et al.: Relation of dietary glycemic index, glycemic load, added sugar intake, or fiber intake to the development of body composition between ages 2 and 7 y, Am J Clin Nutr (2008); 88:755-62
  • 9 Danielzik S et al.: Parental overweight, socioeconomic status and high birth weight are the major determinants of overweight and obesity in 5-7 y-old children: baseline data of the Kiel Obesity Prevention Study (KOPS); Int J Obesity (2004) 28:1494-1502
  • 10 Koletzko B. et al.: Dietary fat intake in infants and primary school children in Germany. The American Journal of Clinical Nutrition (2000) 72: 1392-1398
  • 11 Richter A et al.: Dietary patterns of adolescents in Germany – Associations with nutrient intake and other health related lifestyle characteristics. BMC Pediatrics 2012; 12(35)
  • 12 Hauner, Hans: Fruktosezufuhr als Ursache von Übergewicht nicht belegt. In: Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 2/2009, Hrsg. R. Matissek, Lebensmittelchemisches Institut (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, Köln
  • 13 Sievenpiper J.L. et al.: Effect of fructose on body weight in controlled feeding trials. A systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med. 2012; 156: 291-304

Gegenüberstellung – Teil II.


weiterführende Literatur →  Pur, weiß, tödlich.: Warum der Zucker uns umbringt – und wie wir das verhindern können.


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